Schule am Silberbach
 

 

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KINDER MIT DEM FÖRDERSCHWERPUNKT SPRACHE

Unsere Schule wird von Kindern besucht, deren Sprachentwicklung so schwerwiegend verzögert ist, dass sie durch schulbegleitende oder zeitlich begrenzte stationäre Maßnahmen nicht hinreichend gefördert werden können. Die Beeinträchtigung der Sprachentwicklung unserer Schüler ist individuell unterschiedlich verursacht und ausgeprägt. 

Sprachbehinderungen treten selten isoliert auf. Die mündliche Sprache steht in engem Zusammenhang mit folgenden Entwicklungsbereichen: Motorik, Wahrnehmung, Kognition, Emotionalität und Sozialverhalten. Diese Bereiche sind mehr oder weniger mit beeinflusst.

Sprachstörungen sind in ihrem Erscheinungsbild sehr vielfältig. Sie können die Sprachentwicklung (Aussprache, Satzbau, Wortschatz, Sprachverständnis), den Redefluss oder organische Störungen betreffen.



1. Störung der Sprachentwicklung


1.1 Phonetisch- phonologische Ebene
Auf dieser Ebene werden phonetische und phonologische Auffälligkeiten in der Aussprache unterschieden:

phonetisch
Kinder können einige Laute nicht bilden, deshalb wird der Laut entweder ausgelassen (z.B. „schnell“ – „nell“), falsch gebildet (z.B. Fehlbildung des „s“ Lautes) oder ersetzt (z.B. „Gabel“ – „Dabel“).

phonologisch:
Kinder können die Laute generell bilden, wenden sie jedoch nicht in richtigen Bedeutungszusammenhängen an. 

Eine beispielhafte Auswahl:

Ersetzung von Lauten durch andere (Substitutionsprozesse):
„hag ig kon gegagt“ anstatt „hab ich schon gesagt“
„wiederteteben“ anstatt „wiedergegeben“

Harmonisierung von Lauten: „dedagt“ anstatt „gesagt“

Auslassung von Silben: „telenieren“ anstatt „telefonieren“

Auslassung von Endlauten: „da wa alle“ anstatt „das war alles“

Reduzieren von Mehrfachkonsonanten: „lange“ anstatt „Schlange“



1.2 Morphologisch- syntaktische Ebene:

Bei Störungen auf dieser Ebene wird das grammatische Regelsystem der Sprache nicht hinreichend erworben und nicht altersgemäß gebraucht. Diese Schwierigkeiten lassen sich sehr oft auch bei älteren Schülern in der Schriftsprache wiederfinden. 
Dabei kann es zu folgenden Erscheinungsformen kommen:

Auslassungen von Wörtern und Satzteilen: 
„Ich Schule“
anstatt „Ich gehe in die Schule“

Falsche Stellung der Wörter im Satz:
 „Heute ich Fußball spiele“ anstatt „Ich spiele heute Fußball.“

Außerdem kann es zu Fehlbildungen in folgenden Bereichen kommen:

Pluralbildung: „viele Buchs“ anstatt „viele Bücher“

Bildung von Präpositionalphrasen: „Das Auto liegt unter der Bett“ anstatt „Das Auto liegt unter dem Bett.“

Falsche Anwendung der Artikel: „die Flugzeug“ anstatt „das Flugzeug“

Bildung falscher Vergangenheitsformen und Partizipien: „Ich habe getrinkt“ anstatt „Ich habe getrunken“

Mangelnde Übereinstimmung zwischen Subjekt und Verb im Satz (Subjekt- Verbkongruenz): „der Junge gehen nach Hause“ anstatt „der Junge geht nach Hause“


1.3 Semantisch- lexikalische Ebene
Viele unserer Schüler haben einen reduzierten Wortschatz und/oder benutzen Wörter in ihrer falschen Bedeutung. Auch das Verständnis der Sprache ist teilweise eingeschränkt. Deutlich werden diese Schwierigkeiten zum Beispiel beim Bilden von Oberbegriffen oder Beschreiben von Situationen und Gegenständen, bei denen differenzierte Begriffe gefordert sind. 
Oft helfen sich die Kinder mit einfachen Umschreibungen. „Da habe ich so gemacht“ anstatt „Da habe ich den Ball zurück geschlagen“ oder „der hat so ein Dings“ anstatt „der Löwe hat eine Mähne“.


1.4 Kommunikativ- pragmatische Ebene
Diese Ebene beschreibt die Fähigkeit, ein der Kommunikationssituation angemessenes Sprechverhalten anzuwenden. 
Vielen unserer Schüler fällt es schwer, Gesprächsregeln zu beachten. Einige zeigen einen übermäßigen Mitteilungsdrang und können diesen nicht entsprechend der Situation zurücknehmen, andere haben eher Redehemmungen und ein ausgeprägtes Störungsbewusstsein entwickelt.



2. Störung des Redeflusses


2.1 Stottern
Der Redeablauf der Kinder ist unterbrochen

von Wiederholungen von Lauten, Silben oder Wörtern (klonisches Stottern)

durch Dehnen von Lauten und/oder Blockaden, die durch Verspannungen hervor gerufen werden (tonisches Stottern

2.2 Poltern
Die Aussprache ist sehr undeutlich, einzelne Laute und Silben werden überhastet gesprochen, weggelassen oder umgestellt. 



3. Funktionell oder organisch bedingten Sprachstörungen


3.1 Myofunktionelle Störungen
Durch fehlerhafte Schluckmuster ist bei einigen Kindern die Lippen- und Zungenmuskulatur unterentwickelt. Dies führt zu Fehlstellung von Zähnen, zu ungesunder Mundatmung und zu Fehlbildung von Lauten.

3.2 Näseln (Rhinolalie)
Die Sprache hat einen näselnden Beiklang, dies tritt vor allem bei Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte auf.



4. Mutismus


Mutismus ist eine Störung der Kommunikation: Kinder, die bereits Sprache erworben haben, sprechen überhaupt nicht mehr oder nur bei ausgewählten Personen oder Situationen.

 

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